cyanotypie und koptische buchbindetechnik


Im August 2025 während einer der wenigen warmen Wochen in Berlin, führten wir vier Workshops durch, die sich auf koptische Buchbindung und Cyanotypie im Textildruck konzentrierten, und erkundeten dabei unterschiedliche Methoden und künstlerische Ansätze. Die folgenden Reflexionen zu diesem Prozess sollen neugierigen Menschen, Künstler*innen und Kunstinteressierten sowie Kunstvermittelnden und anderen als hilfreiche Ressource dienen und zugleich unsere Programme im Rahmen von eigenseiten dokumentieren.

Die Workshops kombinierten die beiden Techniken, um die Teilnehmenden einzuladen, die Materialität des Buches neu zu denken und unkonventionelle Formen der Gestaltung zu erforschen. Wir arbeiteten mit Farben, Linien, Blautönen in Solarprints, Formen und der Formbarkeit des Buches. Die Sitzungen fanden an einem Tisch auf dem Gehweg vor Bona Peiser statt, wo wir unsere Bücher im Freien zusammenstellten. Neugierige Passant*innen blieben oft stehen, stellten Fragen, und einige schlossen sich uns schließlich an.

Unter den im Projekt erprobten Buchbindetechniken war die Koptische Bindung die zeitaufwändigste und dauerte pro Buch zwischen dreißig Minuten und einer Stunde. Traditionell für Bände von dreißig bis über fünfhundert Seiten verwendet, ermöglicht diese Technik, dass ein Buch beim Öffnen flach liegt – bis zu 180 Grad oder sogar 360 Grad bei flexiblen Einbänden. Durch das Offenlassen des Buchrückens erkundeten wir diesen sowohl als strukturelles als auch ästhetisches Element, indem wir farbige Fäden und Papiere als Experimentierflächen verwebten, sowohl für einzelne Werke als auch für die Bildung einer Sammlung.

Die blauen Seiten der Cyanotypie-Drucke wurden entweder in die koptisch gebundenen Bücher integriert oder zuvor erstellt, um den Arbeitsprozess zu inspirieren. Cyanotypie, auch Solarprinting genannt, ist eine der frühesten fotografischen Techniken und wurde ursprünglich zur Dokumentation von Pflanzen und Manuskripten eingesetzt. Der Prozess basiert auf zwei lichtempfindlichen Chemikalien, die auf ultraviolettes (UV) Licht reagieren. Um eine Cyanotypie herzustellen, werden Objekte auf Papier oder Stoff gelegt, das mit der lichtempfindlichen Lösung beschichtet ist, und dem Sonnenlicht oder einer anderen UV-Quelle ausgesetzt. Die belichteten Bereiche färben sich tiefblau, während die abgedeckten Bereiche weiß oder heller bleiben. Nach dem Ausspülen in Wasser wird der Druck dauerhaft.

Im Rahmen der Workshops arbeiteten die Teilnehmenden mit vorbeschichtetem, lichtempfindlich behandelten Papier, das direkt verwendet werden konnte. Sie konzentrierten sich darauf, mit Formen zu experimentieren, zunächst mit Objekten zum Drucken und später durch die Einbindung von Zeichnungen, Negativen und Fotografien. Diese wurden teilweise übereinander gelegt oder nebeneinandergesetzt, um zusätzliche Texturen und interessante Effekte zu erzeugen.

Diese Workshops waren Teil einer größeren Reihe, die 2025 entwickelt wurde. Jeder Monat widmete sich der Kombination von zwei Techniken, stets mit der Verbindung einer Buchbindetechnik und einer Drucktechnik. Die Teilnehmenden waren junge Menschen im Alter von 6 bis 27 Jahren. Ziel des Projekts war es, künstlerische Techniken zu vermitteln, die autobiographisch genutzt werden können, und die Selbstveröffentlichung innerhalb der Gruppe zu fördern.

Kunstvermittler*innen
: Daniela Herig & Alicja Khatchikian
Design: Clara Juliano
August 2025, Bona Peiser e.V.